3. Woche

14. Tag

Der erste Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Schon wieder alles bewölkt und Nieselregen. Rüdiger hat das schöne Wetter mitgenommen. Ich bin gleich runter und hab Geld in die Parkuhr gesteckt, ab 8 Uhr will sie gefüttert werden, dann habe ich eine Testpackung meines Koffers gemacht und gemerkt, daß es so nicht geht. Die neuen Turnschuhe, mittlerweile brauche ich Größe 14, umgerechnet 49, ich dachte im Alter schrumpft man, passen nicht rein, ich muß mir also eine Zusatztasche kaufen.

Zwischendurch scheint kurz die Sonne, ich renne an den Strand und mache ein Breitbild.

Miami Beach

Dadurch sehe ich den Strand zum ersten Mal. Wie er in Höhe der 42sten Straße, an der ich wohne, Miami Beach Boardwalkaussieht, wußte ich gar nicht. Er ist recht dreckig und ungepflegt, dafür geht ein Boardwalk von werweiswo bis werweiswohin.

Das Knöllchenbezahlen per Internet hat nicht geklappt, ich sollte eine 7stellige Nummer eingeben, habe aber eine 8stellige gehabt. Deshalb bin ich, obwohl man auch per Telefon bezahlen könnte, zur nächsten Wache gefahren, war ganz in der Nähe und habe dort bezahlt. In der Abteilung, in der auch die Heiratslizenzen beantragt werden.

Es war mittlerweile kurz nach 11, ich habe im Holiday Inn gefragt, ob ich schon einchecken darf. Natürlich durfte ich. Koffer schnell aufs Zimmer, dann ins Auto und irgendwohin gefahren. Zuerst nach Süden, über die I-95 bis Coconut Grove, da hat es aber geregnet und ich machte das, was man zwar nur im Notfall macht, aber wenn es regnet, hat Hard Rock Casino Hollywoodman eine gute Ausrede. Ich wollte in eine Mall, die größte Floridas, die Sawgrass Mills. Über den Turnpike kein Problem. Ich war vor vielen Jahren schon dort, damals ab Fort Lauderdale, da fährt man sich einen Wolf bzw. hält sich einen selbigen an den Tausenden von Ampeln.

Ich fuhr also auf den Turnpike Richtung Orlando. Nach einiger Zeit machte mich ein Schild am Straßenrand stutzig. Hard Rock Casino? Hier? Mitten in der Wildnis? Ich erinnerte mich an den Mann mit dem T-Shirt. Seminole Hard Rock Hotel & CasinoHollywood könnte hier sein und gerade stand ein Schild “Leaving Seminole Reservation”. Und die Indianer dürfen ja überall im Land Casinos bauen, was ja alle, außer den Navajos, auch ausnutzen. Ich fuhr an der Griffin Road raus und bog an der SR 7 nach rechts ab. Nach knapp einer Meile war die Einfahrt für das Seminole Hard Rock Hotel & Casino, wie es so schön hieß.

Und plötzlich war ich in einem Paralleluniversum. Das ist nicht mehr Florida, ich muß in Las Vegas sein. Parkplätze, soweit das Auge reicht, ein riesiges Casino und Millionen von alten Leuten. Nur wenige unter 100, würde ich sagen. Und als Musik lief in voller Lautstärke “Voodoo Chile” von Jimi Hendrix. Wenn so etwas bei uns in einem Casino zu hören wäre, würden die meisten schreiend rausrennen. Hier ist das ok. Vielleicht sind ja auch alle taub.Seminole Hard Rock Hotel & Casino

Ich ging rein und schaute mir alles an. Es war brechend voll, eine Schlange nach der anderen, bei irgendwelchen Glücksradspielen und wasweissichnochalles. Und überall Rentner-Rentner-Renter.

Ein Indianer war nicht zu sehen, die werden wohl alles irgendwelchen Geschäftemachern überlassen und ein paar $$$ Provision kassieren.

Im Fahrstuhl stand ein Spruch: This is an Elevator, it goes up and down. Zuerst dachte ich wieder an eine von diesen Klagen, weswegen so etwas demnächst in jedem Fahrstuhl stehen würde, sah dann aber, das Marc Bolan, der ehemalige T.Rexxer, dieses wohl in einem Lied gesungen haben muß. Also nur ein Zitat. Zuzutrauen wäre den Seminole Hard Rock Hotel & CasinoAmis aber auch, das nicht nur auf Kaffeepapptassen “Hot Coffee is Hot” steht.....

Ein paar sehr merkwürdig aussehende junge Leute liefen rum, es war wohl die Band, die heute Abend hier spielt. Bei uns hätten die Alten nur noch mit dem Kopf geschüttelt, aber nicht headbangend....

Rund um das Casino wird das Seminole Paradise gebaut, ein sogenannter Shopping, Restaurant und Entertainment Park. Der See mit den Zuschauertribünen wird wohl für eine Wasser- und Springbrunnenshow sein. Ist aber alles noch im Bau. Nach Durchsicht der Webseite des Casinos stelle ich fest, daß es in Tampa noch ein indianisch-hardrockendes Casino gibt. What shalls....

Wenn Rüdiger das gewußt hätte.....

 

 

 

Nach einer Stunde fuhr ich wieder auf den Turnpike, ein paar Ausfahrten weiter war der Sunrise Blvd. auf dem ich die Mall vermutete. Ich wußte, daß sie nicht nur außerhalb, sondern gaaaanz weit draußen lag. Nach schlappen 25 Minuten und 7 Sawgrass  MillsMeilen, ich stand also fast nur an Ampeln, war ich da. Ausgeschildert ist vorher nichts, nach einem Wal-Mart geht es rechts rein. Am Purple Parade Place. Die Mall ist nicht nur riesig, sondern auch ziemlich unübersichtlich gebaut, man hat nur schlecht einen Überblick, wo man überhaupt ist. An den Übersichtstafeln standen immer recht viele Leute, die zu erraten suchten, wo sie überhaupt waren bzw. wie sie wieder zurück kommen. Außer Schuhen und Hemden war aber nicht viel zu kaufen, ich brauchte beides nicht, habe nur bei Panda Express ein 2-Items Menü mit Kung Pao Chicken und Orange Chicken gegessen, zusammen mit einer riesigen Sprite, und bin dann wieder in mein neues Heim gefahren. Hier im Holiday Inn gibt es kein Wireless Internet, ich muß wieder mit nem Ocean Drive M iamigood old Kabel arbeiten....

Der Nachteil des üppiges Mahles in der Mall: Ich hab keinen Hunger. Da bin ich Living next door to Outback und dann sowas. Vielleicht hole ich das ja irgendwann nach, ein Steak sollte auf jeden Fall noch gegessen werden.

Am Ocean Drive war heute tote Hose, es waren sogar Parkplätze frei, ich bin deshalb noch etwas durch die Landschaft gekurvt und hab einen Supermarkt gesucht, um noch ein paar Soßen und Marinaden zu kaufen. Ich habe mir noch eine zusätzliche Tasche gekauft, die muß jetzt voll werden. Die Kassiererin im Publix kam nur sehr langsam voran mit dem Scannen, weil sie nebenbei an ihrem Handy spielte bzw. etwas suchte. Wenn’s nach mir ginge: Gleich rausschmeißen, solche Leute......

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