Prolog

Es gibt angeblich ein Leben in den USA ausserhalb des Südwestens. Und dieses Leben wollten wir kennenlernen, der der Ostküste. Am besten dann, wenn es am schönsten ist, nämlich im American Native Summer in Neuengland, wie es politisch korrekt eigentlich heissen müsste.

Wie kommt man hin, möglichst ohne UmsteigUli und unser Gepäck am Flughafen Düsseldorf. Seit nur noch 2x23 kg erlaubt sind, fliegen wir immer mit einer 3. Tasche, um evtl. Overgewichte auszugleichen,en? Ich dachte zuerst an Toronto, das mit Air Berlin angeflogen wird. Da wir uns aber auch Boston ansehen und nicht so viel fahren wollen, haben wir uns Toronto auf dem Hin- und Boston für den Rückflug ausgesucht.
Leider gab es da Probleme mit der Automiete, Einweg zwischen Canada und Amerika, sodaß ich mir einen anderen Airport für den Hinflug ausgesucht habe. Nämlich Buffalo, das erstaunlicherweise auch von Air Berlin angeflogen wird, mit umsteigen in New York, der Weiterflug ist mit Delta. Der Rückflug geht ab Boston auch mit Delta nach New York und dann mit Air Berlin wieder nach Düsseldorf. Alles klar soweit?

Ungefähr geplante Strecke: Niagara Falls - Toronto - Lake Placid - White Mountains. Anschliessend müssten wir noch ein paar Tage Zeit haben, um die Küste von Maine und Boston zu besuchen.
Die Wettervorhersage für unser erstes Ziel, Niagara Falls, war gut. Warm, um die 25°, evtl. Schauer. Aber nass werden wir da sowieso, warum also nicht auch noch vom Himmel.

Ich weiss nicht, ob ihr es schon wusstet, aber ich bin ein kleines bißchen abergläubisch. Ich schliesse deshalb NIE den Werkzeugkasten vor Feierabend, sehe im Urlaub in einem Auto NIE nach, ob auch Reservereifen und Wagenheber an Bord sind, habe NIE Reservesachen im Handgepäck.
Diesmal war es anders.
Ich hatte Uli gesagt, daß sie Unterwäsche und ein paar Kleinigkeiten in ihrem Rucksack mitnehmen sollte, weil in letzter Zeit bei Umsteigeverbindungen der eine oder andere Koffer verschwunden ist.
Das war ein Fehler.

Da wir getrennt voneinander Buchstabe um Buchstabe zu Papier gebracht haben, sind zur besseren Unterscheidung Uli’s Buchstaben auf hellgrauem Hintergrund zu sehen....

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Rückenmassage kurz vor dem StartSeit Osama den Laden zuschließen ist, hat sich so einiges geändert auf unserer Welt. Vor allem uns Flugreisenden fallen diese Veränderungen auf. Eigentlich nur uns Flugreisenden, oder hat sonst noch jemand irgendwelche Einschränkungen zu vermelden?

Seitdem ist es u. a. verboten, Flüssigkeiten mit an Bord zunehmen. Die könnten gefährlich sein, oder zum Teil gefährlich und in der Luft zu einem brenzligen Gemisch vereint werden. Alles, was nur irgendwie flüssig oder wenigstens unfest aussieht, wird uns also vor Flugantritt abgenommen. Da sammeln sich harmlos stille Mineralwasser, eingetütete Capri-Sonnen, lustig blubbernde Piccolöchen oder auch nur ein viertel Pfund Mett.

In Düsseldorf hat man nun endlich ein Einsehen mit den zu entsorgenden Lebensmitteln. Passt ja auch nicht wirklich in die vorweihnachtlichen Spendenaktionen für hungernde oder durstige Völker dieser Welt. Hier wird also all unsere potentiell gefährliche Sprengflüssigkeit in Trinkflaschen gesammelt und z. B. an Kindergärten gespendet. Ist doch auch eigentlich viel besser, sollen doch ruhig harmlose kleine Kinderchen mit unseren Erfrischungen explodieren bevor wir mit ihnen in die Luft gehen.

 

Geplanter Abflug in Düsseldorf 13:45.
Er verzögerte sich um fast eine Stunde, weil die Maschine verspätet aus Jamaica zurückgekommen war.
Abflug 14:42
Ankunft in New York um 16:40 Eastern Time
Flugzeit 7:58 Std., fast eine Kurzstrecke also.
Es gab richtig leckeres Essen, Chicken und Pasta, das Übliche, aber sehr schmackhaft zu bereitet, mit sehr leckerem Cole-Slaw.
Die gereichte Probeflasche eines Drinks namens O2 hätte allerdings nicht sein müssen, wer will schon Sprudelwasser mit Pfefferminzgeschmack....

Die XL-Seats sind superbequem

 

Der Landeanflug war leider unspektakulärer als wir erwartet hatten, eine kurze Runde um die Freiheitsstatue gehörte nicht zum Programm von Air Berlin.

Manhattan ist in der Ferne nur schemenhaft zu erkennen.

Landeanflug JFK -

Der Einreisebeamte fragte uns diverse Löcher in die Socken. Ob wir ein Paar wären, warum nicht verheiratet, wie lange wir uns kennen, welche Berufe wir haben, warum wir hier sind, ob wir an Gott glauben und ähnlich sinnloses Zeug.
Bis wir unsere Koffer hatten, war es 17:30 - um 17:35 hatten wir sie wieder abgegeben und uns auf den Weg von Terminal 4 nach Terminal 3 gemacht. Als wir das Gate erreichten, es war natürlich das Letzte, ganz am allerletzten Ende des Delta -Terminals, wurde schon geboardet, wir konnten gleich durchgehen zum Flieger, einer EMB 145 von Freedom Airlines. 
In Richtung Rollfeld ging es auf die Minute pünktlich, um 18:16. Dort war dann aber End with funny. Geschlagene 88 Minuten zogen ins Land, bis wir endlich starteten. Es wäre der übliche Stau am frühen Abend in JFK, die Flugzeit deshalb schon doppelt so lang angegeben als wirklich benötigt würde, sagte die Stewardess.

 

 

Ein Gewitter zieht auf

Mit Verspätung in New York gelandet, fast als Letzte die Koffer vom Band gepickt, und im Eiltempo zum Anschlussflug nach Buffalo gewetzt. So einen Urlaubsbeginn wünsche ich mir nicht, so eine Hetze macht mich, insbesondere nach einem langen Flug, nur grantig. Vor allem, wenn man dann über eine Stunde im Flugzeug sitzend auf dem Rollfeld verbringt, um auf den Start zu warten. Was hätte man in dieser Zeit noch alles machen können..... ?

Unser Anschlussflieger war so klein, dass größere Handgepäckstücke im Gepäckraum verstaut werden mussten. Volker holte vor dem Einsteigen noch mein Buch aus seinem Trolley, legte den Koffer auf einen bereit gestellten Wagen und lies mein Buch auf dem Rollfeld liegen.

Endlich in der Luft blitzte es gewaltig, rechts von uns – und was mir viel mehr Sorgen machte – auch vor uns. Zum Glück hörte man die Donner nicht. Dann klarte es auf und ein sagenhafter Vollmond lies Wolkenberge erleuchten. Es war überstanden. Das hätte ich nicht denken dürfen, denn plötzlich waren wir mittendrin. Es blitze links und rechts und der kleine Flieger rüttelte und schüttelte sich und uns.

Außer beim Start und bei der Landung gewitterte es über die gesamte Flugstrecke.

Das Gewitter wegen des verlorenen Buches hielt dagegen etwas länger an.

 

 

Ankunft in Buffalo 8:42, nach den von Uli beschriebenen sehr unruhigen 58 Minuten. Das Gepäck hatte scheinbar Angst vor dem Gewitter und hat die kurze Umsteigezeit in New York natürlich dazu genutzt, nicht mitzufliegen.
Ich musste deshalb noch zum Delta Lost & Found Schalter, dort angeben, wie die Koffer aussehen und welche Grösse sie haben sowie eine canadische Zollerklärung ausfüllen, weil wir Zimmer auf der canadischen Seite der Niagara Falls gebucht hatten und das Gepäck dorthin nachgeliefert werden sollte.

Welcome, we are Buffalo Niagara

Nach knapp einer Stunde Schriftkram standen wir vor unserem Auto für die nächsten 2 Wochen, einem roten Jeep Liberty. Eine Choice Line gibt es in Buffalo nicht, die Wagen werden zugewiesen und in der Equinox-Klasse gab es nur Libertys. Wieso eigentlich “nur”. Das Ding ist innen grösser als ich von aussen erwartet habe, nur die Gepäckabteilung ist recht winzig.
Im Laufe des Urlaubes stellten sich noch 2 kleinere Nachteile heraus: Es gibt keinen Aux-Anschluss am Radio - für den mp3-Player - und die Ablagefläche vor der Windschutzscheibe ist zu eng für die Videocamera.

So ein Mist

Blick aus dem Zimmer auf die beleuchteten Niagara FälleWir kamen spät in Niagara Falls an, fanden unser Hotel - Embassy Suites Niagara Falls - recht schnell und fuhren wegen fehlender Beschilderung und Abbiegemöglichkeiten erst mal daran vorbei. Unser Gepäck hatte in New York nicht mit uns Schritt halten können und musste zur Strafe eine Nacht dort bleiben. Die Dame an der Hotelrezeption hatte Mitleid – oder ein Zimmer zu viel – und wir bekamen ein Upgrade auf eine so genannte Präsidenten-Suite. Namen sind bekanntlich nur Schall und Rauch aber der Ausblick aus dem wunderbaren Panorama-Fenster auf die Niagara-Fälle – den man sogar im Whirpool liegend genießen kann – war den Preis des verlorenen Gepäcks wert.

Niagara Falls erinnerte mich mit seiner bunte Skyline ein wenig an Las Vegas. Die Blumen blühen aufgrund des Nicht-an-Wasser-mangelns prächtiger und wenn ich noch einen 190 Octane bekäme, wäre die Illusion perfekt.

 

Bevor wir unsere müden Augen schlossen und die schnöde Welt in Richtung Tiefschlafhausen verliessen, hat sich Uli noch ein paar weitere Gedanken gemacht.

Anonyme Aircraft PupserinDiese Abkürzungen kennen wir doch alle (und sprechen auch ganz schamlos darüber): Die Anonymen Alkoholiker und die Anonymen Amerika urlAuber.
Aber wer gesteht sich, geschweige denn anderen ein, ein AAP zu sein? Ein Anonymer Aircraft Pupser.
Also mache ich mal den Anfang: Mein Name ist U... ähhh und ich bin ein AAP.
Noch mal von vorn: Mein Name ist Christa, ich bin 27 Jahre alt, blond, üppich, für alles menschliche offen und Anonymer Aircraft Pupser.

Auf Kurzstreckenflügen bleibt mir und allen anderen Passagieren dieses zweifelhafte Vergnügen erspart. Aber sobald es das erste Essen gegeben hat, bläht es in mir. Es rumort, es rumpelt und es muss raus. Zu meinem Glück übertönt das Flugzeug mit seinem Krach und der Steward mit seinem Parfum was ich eventuell an Geräuschen und Gerüchen von mir gebe. Das ist vorbestimmte Tarnung. Sie wissen es alle und lassen uns Urlaubsflieger mit dem Schamgefühl, mit unseren Körperreaktionen alleine zu sein, im Ungewissen. Auf dem Flughafen ist dann alles vorbei, die letzten Furze wollen den Körper noch verlassen, und können das in diesen Hallen auch unbehelligt tun, und der Spuk ist vorbei. Oder kann sich jemand noch daran erinnern, sobald er zu Hause die Koffer ausgepackt hat...?

 

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