Havasupai

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Reisebericht Havasupai

Meinen ersten Kontakt mit Havasupai hatte ich schon im Jahre 1992, als ich mir bei meinem ersten Grand Canyon Besuch einen Rundflug über diesen gönnte. Dabei führte die Route auch über diese grüne Oase mit wunderschönen Wasserfällen, es sah geradezu unwirklich in dem sonst so „versteinerten“ Grand Canyon aus. Jahre vergingen und im Zeitalter des Internets war es einfacher an Informationen zu kommen und Erfahrungsberichte, mit guten und schlechten Eindrücken, zu lesen. Entsprechend vorbereitet waren wir auch auf diesen Trip.

Bereits ein halbes Jahr davor wollte ich ein Zimmer im einzigen Motel im Tal buchen,
allerdings erfolglos. Somit war klar, wir müssen Zelt, Schlafsack usw. mitnehmen. Ich wusste von Freunden, dass es möglich ist das Gepäck gegen „Bares“ mit Pferden transportieren zu lassen, das wollten wir aber nicht beanspruchen. Natürlich probten wir einen 15 Kilometermarsch mit „Kampfgepäck“, dass meiner Frau hatte 8 und meins 12 Kilo, zuhause im nahe gelegenen Trimm Dich Gebiet und ernteten verwunderte und schmunzelnde Blicke.

Caverns Inn2 Wochen vor Urlaubsbeginn war Urlaubabschlussbesprechung und meine Frau wollte
nicht 2 Nächte im Canyon zelten, somit wollte ich noch das Motel in Peach Springs buchen, leider erfolglos.

Wir starten an unserem ersten Urlaubstag von Las Vegas Richtung Kingmann und von dort weiter über die historische Route 66, die ich schon immer fahren wollte und im nach hinein frage wieso. In Peach Springs fragten wir nochmals im Motel, aber leider war nichts frei. Die nette Frau an der Rezeption, gab uns den Tipp ein paar Meilen weiter zufahren, dort ist das Caverns Inn. Gesagt getan, es ist ein sehr einfaches Motel, und eine Etage und relativ alt, allerdings sehr sauber.

Sollte jemand mit seinem Privatflugzeug kommen, verfügt das Motel sogar über eine Landebahn und ich staunte jedenfalls nicht schlecht als auf einmal dieser kleine Flieger vorfuhr.

Die Rücksäcke wurden noch abends gepackt, so dass wir am nächsten Morgen hierfür keine Zeit verschwenden brauchten. Der Wecker klingelte uns um 4.00 Uhr aus den Federn, was uns aber dank Jetlag nicht schwer fiel. Bereits um 4.40 Uhr verließen wir das Motel Richtung Peach Springs und bereits nach 4 Meilen kam der Abzweig zur geteerten Straße nach Supai Hilltop. Außer uns war auf den ganzen 61 Meilen bis dahin kein anderes Fahrzeug in Sicht.

Die Strecke ist sehr kurvenreich und es stehen oft Kühe direkt neben der Straße, von daher war Vorsicht geboten, auch ein Fuchs und Kojote kreuzten unsere Route. Um 5.45 Uhr ging die Sonne am wolkenlosen Horizont auf.

Gegen 6.00 Uhr erreichten wir den sehr vollen Parkplatz.
Die Wanderung kann beginnen! Mit Rucksack und guter Laune ging es los. Bereits am Trailanfang kam uns ein leicht erschöpfter Wanderer entgegen, er war relativ jung und sah sehr sportlich aus, ich fragte Ihn wie lange er braucht, Antwort: 5 Stunden. 5 Stunden!!! Dann ist er ja um 01.00 Uhr gestartet! Wow !
Im ersten Stück zieht sich die Wanderung in angenehmen Serpentinen nach unten und ca.

300 Höhenmeter sind geschafft, runter ist das auch kein Problem, ein Blick zurück lässt dies beim Rückweg als letzte Herausforderung erscheinen.

Am Wegesrand konnte man freilaufende Pferde sehen, vielleicht genießen diese ihr „Lastenpferdrentnerdasein“. Der Trail mündet nach dieser „ersten Stufe“ in einen Canyon der Meter für Meter tiefer in den Canyon vordringt bzw. die Wände um einen herum werden immer höher. Teilweise ergeben sich wunderschöne Farbenspiele durch die Sonne.




Nach ca. 2 Stunden sagte meine Frau, hörst Du es, ich glaube wir kommen den Wasserfällen näher. Ein seltsames Geräusch immer lauter werdend kam uns entgegen. Pferde mit Gepäck wurden von 2 Indianern in einer unfassbaren Geschwindigkeit den Trail raufgescheucht. Von diesen Trecks kamen uns 2 weitere entgegen, was aber nicht schlimm war. Nach ca. 6 Meilen errecht man ein Tal welches nun sehr eben verläuft bzw. sich auch gabelt.

Hier weißt ein Schild Richtung Supai mit dem Hinweis, noch 2 Meilen. Ab diesem Zeitpunkt war der Weg sehr sandig und lief Havasu Creek entlang. Vereinzelt kamen uns Wanderer entgegen, die alle keinen glücklichen Gesichtausdruck hatten. Mittlerweile war auch die Kraft der Sonne zu spüren, es wurde von Minute zu Minute wärmer. Gegen 8.45 Uhr erreichten wir Supai bzw. den Check Inn, im Prinzip eine Holzbude. Hier bekamen wir unser Permit und mussten 20 $/Person Permitgebühr bezahlen und 23 $ für den Campground. Im gegenüberliegenden Geschäft kauften wir uns 2 eiskalte Pepsidosen, selten schmeckte dieses Getränk so toll.

Havasu Falls

Der Weg ging anschließend weiter durch das Dorf, kleine Indianerkinder, die offensichtlich ihren latent vorhandenen Jagdtrieb auslebten, versuchten uns mit einer „Löffelsteinschleuder“ zu treffen, aber ein ernsterer Tonfall meinerseits vereitelte dies.

Von Supai bis zum Campground sind es nochmals zwei Meilen, auch hier ist der Weg weiter sehr sandig und verliert noch mal ordentlich an Höhe. Kurz vorm Ziel kommt man bereits am ersten der wunderschönen Wasserfälle, Havasu Fall, vorbei.

Am Campground selbst, der herrlich an dem am Havasu Creek liegt, gibt es keine nummerierten Platze, jeder kann sich seinen Zeltstandort selbst aussuchen. Es sind mehrere Dixi – WC’s aufgestellt und es gibt noch eine Trinkwasserstelle, an der umsonst der Wasservorrat erneuert werden kann. Nach Ankunft ca. 9.45 Uhr bauten wir unsere Zelt auf und erholten uns erst mal von der Wanderung.

Die Sonne heizte mittlerweile das Tal schön auf, so dass bald 38 Grad auf meinem Thermometer erschienen. Später unternahmen wir noch einen Ausflug zu dem in einer Meilen entfernten Mooney Fall.
Die restliche Zeit verbrachten wir wie viele andere auch mit „poolen und relaxen“.
Weitere Erkundung wollten wir aufgrund der Hitze nicht mehr in Angriff nehmen.

Havasu Falls

Havasu Falls



Nachmittags gönnten wir uns vom Indianerstand einen Indian Taco der 8 $ kostete es gab auch noch Indian Bread für 4 $. Indian Taco war so eine Art Pfannkuchen mit grünem Salat, Bohnen, Tomaten, Käse, Mais, nun es war genießbar.

Gegen 18.00 Uhr erwärmten wir auf unserem Espitkocher, Männer müssten ihn aus der Bundeswehrzeit kennen, eine Tomatensuppe und Tortellinidose. Langsam verschwand die Sonne aus dem Canyon und um 20.30 Uhr verzogen wir uns ins Zelt.
Zu Beginn war allerdings absolut kein Schlafsack notwendig. Am Campingplatz selbst wurde es sehr schnell ruhig und da kein künstliches Licht schien, auch fast etwas unheimlich. Mitten in der Nacht wurde es kühler und der Schlafsack kam doch noch zum Einsatz.

Wahrscheinlich jetlagbedingt erwachten wir gegen 3.20 Uhr, der Wecker war auf 4.00 Uhr gestellt. Vereinzelt konnte man Wanderer hören die offensichtlich bereits den Rückweg antraten. Da wir ja schon wach waren, beschlossen wir auch im Sinne der Hitze früher zu starten. Das Frühstück, bestehend aus Brot, Gebäck und Obst wurde während des Zeltabbaus und Rucksackpacken verzehrt. Um 4.00 Uhr verließen wir den Campground und anfangs benötigten wir noch unsere Stirnlampen. Für den ersten steilen, sandigen Anstieg gab ich ein sehr langsames Tempo vor um Kraft zu sparen, vorbei ging es noch mal am Havasu Fall, leider nicht bei diesen Lichtverhältnissen fotografierbar. Alle 10 Minuten nahmen wir Flüssigkeit zu uns und alle 30 Minuten teilten wir uns einen Müsliriegel.

Irgendwann überholten uns ein paar Amerikaner, keine Schwierigkeit, da die nur Wasser als Gepäck hatten. Ich bot einen davon noch meinen Rucksack an, aber er lehnte dankend ab. Mein BW Rucksack hat ordentlich Platz und lässt sich angenehm tragen. Außerdem verfügt er über Seiten- und Fronttaschen, sodass man alles gut verstauen und bei Bedarf schnell rankommen kann. Auf langen und beschwerlichen Touren ist ein guter Rucksack wirklich wichtig. Wer daran spart, handelt sich damit nur allzu schnell Rückenschmerzen ein. Uns ging es super und wir kamen gut und recht zügig vor. Die 2 Meilen vom Dorf bis zum leicht ansteigenden Canyon waren absolut kein Problem.

Danach gönnten wir uns die erste 10 Minutenpause. Auch das anschließende permanent leicht ansteigende Teilstück forderte uns nicht zu sehr, von Vorteil war auch, dass wir fast nicht mit der Sonne in Berührung kamen. Nach einer weiteren 15 Minutenpause nahmen wir den Schlussanstieg in Angriff. Dieser lag teilweise im Schatten und in der Sonne, unsere 7 Liter Wasser hatten wir bis auf 100 ml vernichtet, die letzten Höhenmeter forderten dann wirklich viele Schweißperlen, aber die Motivation bald am Ziel zu sein trieb uns stetig den Berg hinauf.

Stolz, dass ganze mit Gepäck bewältigt zu haben gingen wir zum Auto. Es war mittlerweile 9.00 Uhr und nachdem der Rucksack nicht mehr den Rücken belastet, meint man fast fliegen zu können! Die Pepsi aus der immer noch kalten Kühlbox schmeckte traumhaft. Danach schüttete ich mir noch eine Gallone Wasser zum Abduschen über den Körper.

Zum Schluss kam noch der Amerikaner, dem ich mein Gepäck angeboten habe und er sagte lächelnd „auch schon da“ „war wohl anstrengend“. Ich lächelte nur. Als wir fertig „geduscht“ hatten, sah ich den Amerikaner am Canyonrand, suchend ins Tal blicken.


Ich ging zu Ihm und fragte er wohl noch auf sein Gepäck warte? Er entgegnete etwas verärgert, dass er schon seit 8.00 Uhr warte, lächelnd meinte ich, dass meine Freunde vor 5 Jahren bis um 15.00 Uhr warten musste. Gegen 9.30 Uhr setzten wir die Reise fort Richtung Page.

 

 

 

Contra Havasupai,
wie immer geben Bilder nicht das wieder, was sich darüber oder daneben bewegt.
Es gibt auch viele Reisberichte bzw. Erlebnisberichte die einfach nicht der Wahrheit entsprechen, weil viele nicht gerne von den schlechten Seiten im Urlaub erzählen.
Drum zeige ich hier noch ein paar Fakten auf, dass jeder vorbeireitet ist, was Ihn den erwartet.
Als unschön empfanden wir dass es drei Stellen bei der Wanderung gab, an deren die Touristen einfach Ihren Müll abladen, obwohl hier kein Mülleimer steht, aber fängt mal einer an, machen es viele nach.
Das Dorf bzw. deren Häuser und Vorgärten gleichen größtenteils einer Müllhalde, vielleicht liegt es auch nur daran, das wir Deutschen einen Sauberkeitswahn haben, möglich!
 

Auf dem Campingplatz, der sehr groß ist, befanden sich zu unserer Zeit ca. 150.- Besucher,
es ist unglaublich was andere dabeihaben! Angefangen von den großen Muesslibehälter über O-Saft und Milchgallonen, wenn der Amerikaner am Campingplatz ist verzichtet er auf alle Fälle nicht auf einen Standart, aber das wundert auch nicht, wenn die Ihr Gepäck per Lastentier nach unten bringen. Teilweise sind sie sogar zu faul um das Gepäck wenigstens die letzten Meter zu tragen, aber der Campingplatz selbst war sehr sauber!
 

An den beiden großen Wasserfällen ist man tagsüber nicht alleine, die Stimmung hat fast Freibadcharakter.

 

Havasu Falls

hav20

Ich sah noch einen etwas stärkeren Fotografen und dachte mir, na bestimmt mit dem Heli ist Tal gekommen, aber wenigstens hat er die Wanderung vom Dorf bis zum Wasserfall bewältigt. Später sah ich dann wie er mit dem Muli abgeholt wurde.
Letztendlich ist es teilweise zu vergleichen, man steigt mit Seil und Haken aufs kleine Matterhorn steigt und oben im SB-Restaurant treffe ich meine Oma, welche die Seilbahn genutzt hat, etwas frustrierend.
Beim Rückweg kurz vor dem letzten Aufstieg, kamen uns 3 Jugendgruppen a. ca. 30 Mann entgegen, jeder vierte hatte eine Pfanne oder einen Topf, ich könnte mir vorstellen, dass es dann noch etwas lauter am CG geworden ist, sie starteten erst um ca. 9.00 Uhr, ich glaube das ist eine ganz schöne Qual bei der Hitze!

Wenn einem dies bewusst ist und sich daran nicht stört ist es landschaftlich trotzdem wunderschön! Sicherlich findet man bei weiteren Wanderungen in den Canyon auch seine absolute Ruhe.

Fazit: Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, allerdings würde ich jetzt kein zweites Mal diesen Ort besuchen.

geschrieben von Christian

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