Uli's Kurzgeschichte

"Hat man das Unmögliche eliminiert, so muss, was übrig bleibt, mag es noch so unwahrscheinlich erscheinen, die Wahrheit sein."

Der Horror hat einen Namen.
Mein Horror hat einen Namen.
In Steven Kings Welt gruselt man sich in Salem, Roman Polanski stolpert in Transsylvanien über blutrünstige Vampire und Sherlock Holmes lauscht unheimlichem Heulen im Nebel über Dartmoore.
Mein Gruselkabinett heißt Page.
Hört sich mindestens so harmlos an wie Salem, ich weiß.
Aber wer Salem brennen sehen will, der müsste Page explodieren, in die Hölle fahren, vom Erdboden verschwinden sehen wollen.

 

Vor über einem Jahr hat die Wave versucht, mich bei lebendigem Leib zu erwischen. Sie war hinter mir her, wie der Teufel hinter der armen Seele. Sie hätte mich fast erwischt. Die Sonne brannte erbarmungslos und die Geier wetzen bereits ihre Messer. Ich konnte nur um Haaresbreite entwischen.

Kurz vor der Wave

Cottonwood CanyonDie böse kleine Schlange mit dem harmlosen Namen Cottonwood Canyon Road lockt in den schönsten Farben. Sie räkelt sich verführerisch und ruft: „Fahr mich, fahr mich. Du kannst mich haben.“ Und wenn man ihren Verführungskünsten nicht widerstehen kann und ihrem verführerischen Kurven folgt, dann ist man verloren. Zwangsläufig wird die Wahrheit deutlich: im Laufe der Fahrt stirbt erst die Landschaft ringsum und die Farben verschwinden. Was vorher ein Kunstwerk in Pastell war wird zu einer grauen Müllhalde.

 

Bäh - bäh - BädlandEin weiteres untrügliches Zeichen der Boshaftigkeit dieser Gegend ist die hohe Selbstmordrate unter den Kaninchen. Man kann gar nicht so schnell gucken geschweige denn reagieren, wie sich die Langohren vor die Autos schmeißen. Eine Glaubensfrage scheidet meiner Meinung nach aus, ich habe nicht eines mit einem Sprengstoffgürtel um die haarige Taille gesehen. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass die Weiblichen unter ihnen je eine Chance haben, als Jungfrau zu sterben. Es gäbe also keinen Grund für Märtyrismus. Es müssen Depressionen sein, so genante deprimere pagiere.

 

Lake Powell

Auf diese Zeichen hätte man achten sollen. In jedem Horrorfilm würde die Musik dramatisch und der Zuschauer wüsste, dass da jemand in sein Unglück fährt. Aber man ist in keinem Film, hört diese Musik nicht und fährt unbeirrt weiter, Nichts ahnend. Im Laufe der weiteren Anfahrt auf Page trifft man auf die unübersehbare zweite Warnung. Und doch will man sie nicht wahrhaben. Man will die Gefahr, die von dieser Gegend ausgeht, einfach nicht sehen. Selbst das Wasser des Lake Powell zieht sich aus diesem toten Land zurück und man sucht nach einer harmlosen Erklärung. Klar, die Golfspieler in Las Vegas brauchen frischen, grünen Rasen, alles ganz normal. Niemandem fällt auf, dass in dem Stausee nicht ein Lebewesen zu finden ist. Kein Fisch, kein Vogel, keine Wasserläufer oder Larven, nicht einmal Mücken. Eine böse, tote Gegend.

Und wenn sie einen ein Mal hat entwischen lassen, dann soll ihr das kein zweites Mal passieren.
Dummerweise habe ich mich ein weiteres Mal in diese Stadt verschlagen lassen. Jeden Filmregisseur würde man realitätsfremd nennen, so was passiert doch nicht im wirklichen Leben, kein Mensch kehrt an einen solchen Ort zurück.

Aber nein, wir wollten ja nicht hören.
Und was hatten wir davon?
Drei von uns vieren wurden auf unerklärliche Weise von einem mutierten Virus vergiftet. Wir konnten gerade noch rechtzeitig flüchten und entkamen mit letzter Kraft aus der Stadt, bevor es zu spät war.

 

Page? Never again....

Und eines schwöre ich, ein drittes Mal wird Page keine Gelegenheit bekommen. Mich wird diese Gegend nicht wieder sehen. Man soll sein Glück ja schließlich nicht herausfordern.
Und wenn doch, dann nur in Las Vegas ;-)

 

 

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