70000 Tons of Metal 2012

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I’m on a boat

Der fucking Fun ging schon in Düsseldorf los: die Wiederholungstäter erkannten sich dieses Mal nicht nur an den schwarzen Klamotten. Die Wiedersehensfreude war groß und ganz bestimmt durch die Vorfreude auf unsere Cruise zurückzuführen. Unglaublich, wie man sich über fremde Menschen freuen kann. Die Tatsache, sich vor einem Jahr ein paar Mal über den Weg gelaufen zu sein, reichte aus, sich herzlich in die Arme zu fallen. Das obligatorische „sad looking“ wollte beim Gruppenbild gar nicht klappen, das Grinsen war im Gesicht festgetackert. Ich war überrascht, dass fast alle, die schon im letzten Jahr mit uns im Flieger saßen, jetzt auch wieder dabei waren. Die Pioniere der Metal-Cruise hatten Vorkaufsrecht für den Recall und davon offensichtlich reichlich Gebrauch gemacht, denn auch in Miami trafen wir eine ganze Menge bekannter Gesichter. Und wen wir da nicht trafen, dem sind wir auf dem Schiff begegnet. Jedenfalls verging der Flug wie im Flug, da wir eine Menge Gesprächstoff hatten. Der eine freute sich auf diese Band, der andere ist kein Fan von jener… aber ansehen wollen wir sie uns alle, und eigentlich ist das auch egal: Hauptsache wir sind wieder dabei und haben unseren Spaß.

Das erste Bier frühmorgens am Flughafen

Zu den vielen bekannten Gesichtern vom letzten Mal gesellten sich eine Menge einseitig bekannte. Soll heißen, sie kannten uns [Volker, Lala, Uli und mich]. Unsere Geschichte über die erste Cruise war schuld, dass sie jetzt dabei sind und sie bedankten sich dafür. Wow, ich bin berühmt... damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, das muss ich jetzt erst mal verkraften. Beim Schreiben denke ich gar nicht darüber nach, dass das auch fremde Leute lesen. Ich schreibe eigentlich nur „Postkarten an meine Mutter“. Die praktischen Tipps allerdings sind von Volker, denn er weiß, was seine Leser wünschen.

Wegen der Pre-Party, der Hafennähe und der Abwechslung Wenn der Metromover ausfällt, kommt man nicht mehr zurückhatten wir diesmal ein Zimmer in Downtown gebucht. Von dort bis zum Bayside Marketplace sind es nur ein paar Stationen mit dem kostenlosen Metromover. Aber diese Idee war kokolores. Wenn der Metromover ausfällt, kommt man nicht mehr zurück. Wenn man in South Beach ist, fährt spät abends kein Bus mehr, und sonntags nachmittags sind die Busse so voll, dass sie niemanden mehr mitnehmen. Und wenn man dann endlich zurück in Downtown ist, hungrig und müde, dann hat man für die Pre-Party keine Lust mehr. Also merken wir uns fürs nächste Mal: Wir wohnen nur noch in South Beach und verschwenden weder Zeit noch Geld um ins Bett zu kommen. Wir haben doch keine Zeit….

Und mal im Ernst, wer will schon drei Tage durch Downtown Miami laufen? Wir wollen ans Meer, an den Strand, an den Ocean Drive. In der Sonne sitzen, Leute gucken und Leute treffen. Wir sitzen demnächst schließlich alle in einem Boot.

In der Sonne sitzen, Leute gucken und Leute treffen

Fast hätten wir also das Rudel-Saufen am Strand verpasst. Alles sprach von einer Strandparty und alles lief hin und her um die zu suchen. Eine Gruppe ging und die nächste kam. Aber irgendwann haben sie sich dann doch alle getroffen. Ein Haufen Schwarzgekleideter mit Bier in Tüten. Außenstehende dachten schon, das sei eine Beerdigung…
Das viele Schwarz wirkte aber auch wirklich ein wenig deplaziert am pastellfarbenen Strand von Miami South Beach.

Beachparty

Diesmal hat Horatio Caine nicht halb Miami abgesperrt, und wir konnten mit dem Taxi bis vors Terminal fahren. Und obwohl wir recht früh dran waren, war hier schon der Bär los. Immer mehr Taxis fuhren vor, denen immer mehr Schwarz entstieg. Mal mit, mal ohne Instrumente. Es wurde sich getroffen, gequatscht und die letzten Biere getrunken. Die Kofferträger hatten unermüdlich damit zu tun, den Passagieren die Gepäckstücke ab- und ihr Trinkgeld entgegenzunehmen.

Ankunft am Schiff - wir waren trotz der frühen Uhrzeit nicht die ersten

Equipment und Bühnenaufbauer hätten eigentlich ebenfalls pünktlich ankommen können, keine Ahnung, was denen diesmal dazwischen kam. Jedenfalls ließen unsere Beobachtungen beim Aufbau kein wirkliches Vorankommen erkennen. So wurde die Poolbühne nicht rechtzeitig fertig und die erste Band des Abends wurde gestrichen.

So wurde die Poolbühne nicht rechtzeitig fertig


Und die folgenden hatten viel mehr Verspätung, als im letzten Jahr. Immerhin legte das Schiff pünktlich ab. Wahrscheinlich ist es billiger, die Roadies an Bord zu behalten als die verlängerte Liegegebühr zahlen zu müssen. So fand das erste Konzert der Cruise im Spectrum, dem kleinsten Saal des Schiffes, statt, der dadurch aus allen Nähten platzte. Aber das Volk war heiß und wollte Musik.

das Volk war heiß und wollte Musik.

 

Ich hatte den Eindruck, die erste Tour war nur Übung. Die Poolbühne war diesmal jedenfalls größer und überdacht und die Beleuchtung üppiger. Die Poolabdeckung war größer, höher und stabiler und mit Absturzgitter. Und das Logo der 70000 tons of metal schmückte das ganze Schiff.

Die Poolbühne war diesmal jedenfalls größer und überdacht

Leider verdeckten viele Transparente den Blick zur Bühne, wir konnten nicht mehr vom Liegestuhl aus sehen und seitlich der Bühne gab’s jetzt einen toten Winkel.

wir konnten nicht mehr vom Liegestuhl aus sehen

Absperrungen vor allen drei Bühnen waren letztes Jahr nicht notwendig. Diesmal durfte man gegen Extra-Gebühr in dem Zwischenraum stehend fotografieren.

Diesmal durfte man gegen Extra-Gebühr in dem Zwischenraum stehend fotografieren

Und wohin das Auge sah: Security. Ich fragte mich, ob letztes Jahr so viel passiert ist, dass dies notwendig wurde. Alles war jedenfalls größer, besser, professioneller. Aber schöner war’s letztens.

Und wohin das Auge sah: Security

Diesmal gab’s mehr Völker-Vielfalt. Leute aus 55 Staaten, 6 mehr als im letzten Jahr, feierten diesjährig gemeinsam auf dem Schiff. Teilweise aus Ländern, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt. Leider hat sich trotzdem die Anzahl der Deutschen drastisch erhöht. Waren es im letzten Jahr 30% Amerikaner und 17% Deutsche, so machten diesjährig beide Gruppen zu gleichen Teilen die Hälfte der Besucher aus. Leider deshalb, weil die Bordsprache dadurch nicht mehr einheitlich Englisch war, sondern, so war unser Eindruck, fast nur noch Deutsch. Das spaltete die Eintracht, die mich bei der ersten Cruise noch so beeindruckt hatte. Deutsch und Deutsch gesellt sich halt gern.
Aber wo ich gerade bei Statistik bin: hat eigentlich irgendjemand die Paulas gezählt?

hat eigentlich irgendjemand die Paulas gezählt?

Capt. Avatar aus Schweden

Mit den vielen Deutschen waren auch unglaublich viele Party-People an Bord. Leute, denen die Sache an sich egal ist, Hauptsache sie haben eine Location, sich zu besaufen. Die sollten sich dazu lieber auf viel besser passende Events konzentrieren: Karneval, Ballermann, Oktoberfest oder Papstbesuch. Wir fanden sie bei einem Heavy-Metal-Festival eher deplatziert. Kegelvereine in Lederhosen-Imitaten oder in Hosen, mit blau-weißem, bayerischem Rautenmuster, in Ganzkörper-Kostümen oder mit weißen Kapitäns-Mützen. Positiv war uns hingegen eine Gruppe Schweden aufgefallen, die eher aussah, als wäre sie der Fluch der Karibik. Insbesondere die blau angemalte Piratin, Capitänin Avatar, war ein echter Hingucker. Ich frage mich jetzt noch, ob die Wäscherei die Farbe aus Bettzeug und Handtüchern raus bekommen hat.

Kegelausflug?Mögliche Ursache für die massenhaft vertretende Kegelklub-Klientel könnten die diesmal überproportional vertretenen Party-Musik-Bands gewesen sein. Weniger Metal dafür mehr Pop-Rock. Mir hat die Musik besser gefallen, als im letzten Jahr, für mich waren bei dieser Cruise viel mehr klasse Konzerte dabei als bei der letzten, aber wenn die Konsequenz dieses Publikum ist, möchte ich doch lieber darauf verzichten.

Ebenfalls fand ich die Horde Kuttenträger, die sicher auf die Tatsachen verdrehende Berichterstattung der letzten Cruise zurückzuführen ist, zweifelhaft. RTL sprach in seinem Bericht von ungepflegten Langhaarigen – und die Talkshow-Kandidaten kamen. Braucht niemand. Wenn ich mich über die Vera-am-Mittag-Klientel amüsieren will, schalte ich den Fernseher ein, aber die will ich gar nicht sehen... Seriöse Berichte, wie die von ZDF oder iMusic wurden leider nicht so oft ausgestrahlt. Diesmal, so schien es, waren bedeutend mehr Kamerateams an Bord. Hoffen wir also, dass die nächsten Berichterstattungen objektiver sind und damit das richtige Publikum angesprochen wird. Was ich dieser Gruppe an Minderbemittelten jedenfalls zuschreibe ist, dass sich das Gemeinschaftsgefühl, das sich bei der ersten Cruise gleich einstellte, nun ausblieb. Diesmal gab es mehrere Paralleluniversen, die getrennt voneinander cruisten.

Unter anderem konnte ich Leute beobachten, die früher als Wanderzirkus-Attraktion durchgegangen wären. Aber heute sind wir ja tolerant gegenüber Subspezies…Nichtsdestotrotz hilft es den Jungs mit dem großen L auf der Stirn nichts, einen epileptischen Anfall vorzutäuschen – das hat mit Tanzen oder wenigstens rhythmischer Bewegung so viel zu tun, wie ein Bleistift mit Eierlegen und macht euch nicht zu Gewinnern. Und eure Romanze mit euren fünf Fingern wird damit auch nicht beendet.

das hat mit Tanzen oder wenigstens rhythmischer Bewegung so viel zu tun, wie ein Bleistift mit Eierlegen 

Und auch bei der Kleidung gilt zu beachten, dass ein Metall-T-Shirt nicht in die Hose gesteckt wird. Das ist ja so, als würde man ein Bandana wie Gretel unterm Kinn knoten. Dagegen hat es einen besonderen Charme, wenn ein Muskel bepackter, tätowierter Kerl mit langer, schwarzer Mähne einen rosafarbenem Cocktail mit Schirmchen in der Hand hält.

Bei der ersten Tour entspannten sich einige während der Konzerte im Whirlpool. Diesmal wurde der Beckenrand als erhöhter Aussichtspunkt missbraucht. Einer kletterte sogar auf die Überdachung. Mich würde nicht wundern, wenn bei einer nächsten Cruise die Pools aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Dass die Menschen sich und damit allen anderen immer wieder alles selbst verderben müssen... Ich zieh euch die Synapsen aus der Stirn, ihr Rucksackgesichter.

Ich zieh euch die Synapsen aus der Stirn, ihr Rucksackgesichter.

Tobias Sammet @ 70000 Tons Of Metal

Aber kommen wir mal zum Herzstück der Cruise, zur Musik.
Auch vor dieser Tour hat Volker wie bereits im letzten Jahr von jeder teilnehmenden Band ein Stück herausgesucht und vorgespielt. Und auch wie im letzten Jahr ist der Unterschied zu «in echt» gravierend. So freuten wir uns diesmal z. B. auf Edguy, die live eine Riesenenttäuschung waren. Die sollten sich dringend einen Sänger suchen. Tobias Sammet hält sich für einen Stand-up-Comedian. Wenn ich einen Alleinunterhalter sehen möchte, gehe ich in den Quatsch-Comedy-Club. Und wenn ich einen schlechten Alleinunterhalter sehen möchte... aber wer will das schon?

Von Cannibal Corpse erfuhren wir, dass sie ein neues Album heraus bringen. Ich finde, dass das keine große Kunst sein kann. Das muss bei denen doch wie beim Laminat-Legen gehen: hinten was abschneiden und es vorne wieder anlegen.

Cannibal Corpse @ 70000 tons of metal

Riot hatten während der Cruise einen Todesfall zu vermelden. Ihr Gitarrist, Mark Reale, ist Mittwochnacht gestorben und am Donnerstag traten sie mit einem Gitarristen weniger auf. Leider sickerte die Information nur bruchstückhaft durch, so dass wir erst dachten, das wäre an Bord passiert, und uns ausmalten, wo die wohl in der Zwischenzeit die Leiche deponieren und wie sie sie unauffällig von Bord bringen. Später erfuhren wir, dass er schon länger krank und daher gar nicht mit auf Tour war und der fehlende Gitarrist aus Pietätsgründen ausgesetzt hat.

Riot @ 70000 Tons of Metal

Tankard ist auf jeden Fall die erste Wahl für Wackeldackel. Da lassen sich wunderbar Klein- und Großhirn zu einer Einheit schütteln.

Tankard ist auf jeden Fall die erste Wahl für Wackeldackel.

Orphaned Land hat das Volk gespalten. Die einen fanden die total klasse, andere verschwanden mit den Worten: „Leck mich am Arsch, was für eine Kacke.“ Wir gehörten zu den anderen. Aber eigentlich gibt es gar keine schlechte Musik und ich bin sowieso nur wegen der langhaarigen Wikinger-Söhne hier.

Orphaned Land @ 70000 Tons of Metal

Kamelot hat uns ganz positiv überrascht. Auf Platte fand ich die zu dramatisch, die Stimme des Sängers zu opernhaft. In echt war die Band - mit “Ersatzsänger” Fabio Leone - richtig klasse und reihte sich in die Gruppe unserer Favoriten ein.

Kamelot  70000 Tons of Metal

Nightwish präsentierte sich mit bestem Sound und die Sängerin hat unsere schlimmsten Befürchtungen (auch wegen der schlechten Erfahrungen mit Epica im letzten Jahr) mit einer angenehmen Stimme und perfekt getroffenen Tönen beiseite gewischt.

Nightwish @ 70000 Tons of Metal

Meine persönlichen Favoriten waren Amorphis. Insbesondere wenn der Sänger Unterstützung vom Bassisten und Sänger von Nightwish bekam. Beide Stimmen harmonierten wunderbar miteinander.
 

Beide Stimmen harmonierten wunderbar miteinander.

Fuckten-Fuckten-Fuckten:
Amorphis, Eluveitie, Hammerfall, Kamelot, Nightwish, Pretty Maids und Stratovarius bekommen von mir 3 “f” für fantastic fucking fuck.
Alestorm, Children of Bodom, Vicious Rumors, Grave Digger und Sapiency 2 “f” für fucking fuck.
Annihilator, Atheist, Diamond Plate, God Dethroned, Overkill, Sapiency, Vicious Rumors und Virgin Steele immerhin noch 1 “f” für fuck.


70000 tons of metal, Flug-Nr. 7000, Koffer-Caroussel Nr. 7 – ich hätte im Casino 7 Dollar auf die 7 setzen sollen…Aber man kann das Geld auch besser versieben.
Nämlich mit ’ner neuen Kreuzfahrt. Anders als im letzten Jahr wissen wir jetzt schon, dass wir noch einmal dabei sein wollen. Aber auch anders als im letzten Jahr weiß der Veranstalter noch nicht, ob es noch einmal zu den gleichen Bedingungen sein wird. Lassen wir uns also überraschen.

Thank You Very Fucking Much .....

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