Graubünden

16.8.2014

Bei einem Blick aus dem Zimmerfenster war ich ganz vaduzt - das gestrige schlechte Wetter war verschwunden und die Sonne flutete das Tal.
Mein heutiger Plan: Ich mache eine Rundreise, ab und nach Liechtenstein.
Erstes Ziel: Graubünden, da vos so richtig teuer, aber auch schön ist.

8:09 - Abfahrt
 

Blick vom Hotel Obertal auf Liechtenstein und die Schweiz

8:49

Unterwegs begegnete mir ein Schild das auf eine weltmonumentige Brücke hinwies die leicht zu erreichen schien. Also hin. 

World Monument Salginatobel Bridge

09:04
 

Nach endlos langer Fahrt (so kam es mir jedenfalls vor) durch winzige Orte und einspurige Gassen erreichte ich die Brücke nach ca. 15 Minuten. Nett.
Aber irgendwie war mir nicht ganz klar warum dieses Ding ein so tolles Monument sein soll. Irgendwie sehen doch die Brücken, die über Autobahnen führen, auch so aus, oder?

World Monument Salginatobel Bridge

09:44

Da sah die nächste, die Sunnibergbrücke schon interessanter aus.

Sunnibergbrücke

09:58

Davos, die, wenn man dem Ortseingangsschild Glauben darf höchstgelegene Stadt der Alpen, empfing mich mit diesem Blickfang, der überhaupt nicht in die Landschaft passte, dem InterContinental Davos. Dieses 2013 eröffnete Hotel sieht eher wie ein UFO aus, ist aber preismässig bestimmt gut für Kongresse oder Weltwirtschaftsforen aller Art geeignet, bei denen die Teilnehmer ihre Zimmer nicht selber bezahlen müssen. Viel mehr gab’s irgendwie nicht zu sehen, nur Geschäfte aller Art und spazieren gehende alte Leute.

Hotel Intercontinental in Davos

Nächster Halt war auf dem vernebelten 2.383 Meter hohen Flüelapass und anschliessend am Ortseingangsschild zum Parc Naziunal Svizzer, dem einzigen Nationalpark der Schweiz. Der Name ist rätoromanisch, was auch immer das für eine Sprache sein mag. Rundherum sah es allerdings nicht anders aus als auf der bisherigen Strecke, Berge und Täler wechselten sich ab. Ein Besucherzentrum habe ich nicht gefunden (eigentlich auch nicht gesucht), dort hätte ich ALLE Nationalparkstempel der Schweiz auf einmal bekommen können, nämlich einen......

Parc Naziunal Svizzer

11:13

Mein nächstes Ziel war Schlanders in Bozen, also in Italien. Oder soweit bis ich an ein italienisches Schild kam. Irgendwie bin ich aber falsch abgebogen und landete im Munt-la-Schera Tunnel - aus dem es kein Entrinnen gab. Am Ende des Tunnels war nicht nur Licht sondern auch Italien, allerdings an einer völlig anderen Stelle als ich geplant hatte.

Munt-la-Schera-Tunnel

13 € waren zu zahlen, die wollte ich für den Rückweg nicht nochmal blechen und schaute mir an wo ich gelandet war. Mein ADAC-Atlas war nur ein deutsch/schweiz/österreichischer, Italien war nicht mit drin, ausser Dörfer wie eben Schlanders, das relativ nah an der Grenze liegt.

Also mal schauen was hier so los ist.

Italia - Grenzübergang an der Punt dal Gall Staumauer

11:38

Schön sieht’s hier aus. Livigno heisst das Dorf. Was mir als erstes auffält: die Spritpreise. 1,16 € der Liter, ich hatte viel höhere Preise in Italien bei meinen flüchtigen Vorbereitungen gesehen.
Allerdings war der Tank noch fast voll, die Nadel hatte sich erst ganz leicht bewegt, obwohl ich schon 140 Kilometer gefahren war heute. Jedenfalls lohnte sich das Tanken nicht und ich fuhr unbetankt weiter, konnte ja später noch nachfüllen, bevor ich dieses preisgünstige Land verlasse.

Lago di Livigno

In meiner Straßenkarte war ganz unten links in einer Ecke der Name Bormio zu erkennen, davon hatte ich schon gehört. Also hin. Oben am Passo di Foscagno war erstaunlicherweise eine Zollstation. War Italien schon wieder vorbei - und ich hatte nicht getankt? Ich fragte den Zöllner welches Land vor mir liegt.
Italia
und hinter mir?
Italia
Aha. Sehr merkwürdig. Dann fragte er noch ob ich etwas eingekauft und zu verzollen hätte. Jetzt war mir alles klar. Da unten ist nen steuerfreier Bezirk und deshalb der Sprit so billig.

Ab jetzt bin ich also im “richtigen” Italien, was sich an der nächsten Tankstelle bemerkbar machte. 1,83 € der Liter, das sind ja mal Unterschiede.
Als Ausgleich gab’s den ersten Gletscher dieser Reise, mein erster ausserhalb Nordamerikas. Europa ist mir ja so gut wie unbekannt, noch.

ein Gletscher, mein erster europäischer

12:40

In Bormio hatte ich Hunger und fand eine nette Pizzeria mit kostenlosem Parkplatz. Ich ging rein.
Bon Giorno.
Bon Giorno - ich spielte meine Italienischkenntnisse aus.
blablablasoloblablabla
Solo? Si.....
Ich wurde an einen Tisch geführt und eine Karte wurde gereicht.
Una Pizza Proscuitto e Funghi e una Cola. Ich bin ein Sprachgenie.
Eine Minute später kam die Bedienung und fragte: blablablablapicanteblablabla
Picante? Ich hab’s lieber unscharf, also No, grazie.
Die Pizza war riesig und sehr lecker, mit richtigem Schinken, keinem Formfleisch.
Nach dem Essen schaute ich mich um wo die Toilette sein könnte.
Banjo?
Si. Also nicht dass ich ein Instrument spielen wollte.....
blablablablabla und zeigte nach unten. Irgendwo im Keller war ne Toilette.
Anschliessend spielte ich nochmal alles aus: il conto perfavore - bagarre hätte gereicht, aber il conto hört sich besser an.
Die Rechnung kam, ich bezahlte und mit einem lächelnden Arrivederci verabschiedete ich mich.
Toll - grüßen, bestellen, essen, zahlen und wieder gehen ohne ein einziges nichtitalienisches Wort. Ich könnte als Fremdenführer anfangen.....


Bormio ist ein nettes kleines Städtchen in wunderbarer Landschaft, aber recht überlaufen, sogar in den Sommermonaten. Ich möchte nicht wissen was hier im Winter los ist. Naja, im Winter ist es kalt, da möchte ich sowieso eher in Florida sein.....

Bormio

13:32

Wohlgelaunt und gesättigt machte ich mich wieder auf den Weg, in die Richtung in der ich Österreich vermutete.

Kurz vor dem Pass gab es endlich mal einen Ausblick auf die zurückgelegte Strecke, meistens waren die Pässe immer vernebelt. Man sieht die Strada del Passo dello Selvio hoch zum Stilfser Joch

Passo dello Stelvio

Am schönsten wäre es wenn man mit einem Cabrio hier hoch fahren könnte, mit einen Motorrad wäre es auch nicht schlecht. Im “normalen” Auto geht’s auch, die Fahrradfahrer haben, soweit ich das beobachtet habe, kein einziges Mal in die Landschaft gesehen sondern immer nur auf die Straße vor ihnen. Was die vielen Läufer, die hier unterwegs waren, gesehen haben weiss ich nicht - aber wer will denn so eine Strecke freiwillig zu Fuß hoch?

13:42

Blick auf die Payerhütte mit Wasserfall. Apropos Wasserfall: die Dinger sind überall, zu Tausenden. Kommen einfach aus nem Berg, ohne das ersichtlich ist wo das Wasser her kommt. Es gibt keine Gletscher, keinen Schnee, kein Regen, aber trotzdem fällt das Wasser direkt aus dem Berg raus. Eigentlich ne gute Sache, dann ist es nicht so wie z.b. im Yosemite, wo es zur Schneeschmelze stark fällt und anschliessend nur noch Rinnsale zu sehen sind.

Payerhütte

14:02

Oben am Pass war dann eine Art Dreiländereck, die sogenannte Dreisprachenspitze. In welchen Land genau ich mich jetzt befand war mir nicht ganz klar.

Dreisprachenspitze

14:36

Unten im Tal klärte sich dann alles auf - ich kam aus der Schweiz - oder aus Österreich - und fuhr nach Südtirol, also Italien.

Willkommen in Südtirol

In der Schweiz, in Graubünden, wurde viel italienisch gesprochen, hier im italienischen Südtirol hauptsächlich deutsch. Wenn ich mir das Bild ansehe merke ich was ich vergessen habe: etwas Speck zu kaufen. Ich war wohl noch zu satt um im voraus daran zu denken etwas für’s Abendessen zu besorgen. 

Obst Wein Speck, der gute Südtiroler

15:24

Falls ich bisher noch nicht in Österreich war - was mir ja nicht so ganz klar war - jetzt bin ich’s auf jeden Fall. Am Reschenpass beginnt Austria.

Erstmalig geht's nach Österreich

15:58

Landeck war mein nächstes Ziel, von dort geht ein Highway nach Feldkirch und Liechtenstein. Unterwegs fiel mir ein Schil mit der Aufschrift “Zollausschlussgebiet” auf. Hört sich an als gäbe es dort - wie in Livigno - billigen Sprit. also hin, natürlich nicht nur zum tanken.
Samnaun gehört zur Schweiz, ist aber wohl nur von Österreich aus zu erreichen, deshalb der steuerliche Sonderstatus.

 

Samnaum

1,16 € für den Liter Sprit, diesmal habe ich zugeschlagen. Im Laufe des Tages war der Tank recht leer geworden. Parfümsens und Juwelen hab ich ausnahmsweise mal nicht duty free gekauft.
In Deutschland würde der Liter steuerfrei ca. 85 Cent kosten, die machen hier also, wenn es wirklich komplett ohne Steuern ist, ein richtig gutes Geschäft.
Die letzten 150 Kilometer waren dann reine Autobahnfahrerei ohne besondere Höhepunkte. Eine Fahrt über den Brenner wäre zwar noch nen Burner gewesen, aber der war zu weit weg. Wird beim nächsten Mal nachgeholt....

1,16 für den Sprit

18:15
Fast zu Hause, in Feldkirch, überkam mich plötzlich der Waschzwang. Mein Auto wurde hier und da schon komisch angesehen wegen seiner Dreckizität und jetzt war es eben so weit. Der Winterdreck, der Frühlingsdreck, der Rockharzdreck - alles musste weg. Die Vorspüldame sagte: Der ist aber dreckig - ich stimmte ihr zu und gab 2 € Trinkgeld. Dafür kärcherte sie ca. 10 Minuten in allen Ecken, Kanten und Ritzen. Staubsaugen war for free anschliessend - jetzt kann ich mich wieder in aller Öffentlichkeit sehen lassen. 

einmal waschen und fönen bitte

Die mittägliche Pizza war sehr sättigend, ich war nicht wirklich hungrig. Um nicht kurz vor Mitternacht vor Hunger nicht schlafen zu können “gönnte” ich mir beim neben der Waschanlage liegenden McDagobert’s ein Hamburger Royal TS Menü. Ekelhaft - aber der bequemste Weg etwas in den Magen zu bekommen. Auf einer der vielen Rheinbrücken knipste ich die Schweiz und Liechtenstein Schilder und schon ging’s wieder den Berg hinauf in mein Zimmer.

19:46 - auf geht's nach hause

488 Kilometer gefahren
Besuchte Länder:
Schweiz 3x
Italien 2x
Österreich 2x

Übernachtung: Hotel Pension Oberland in Triesenberg.
Preis pro Nacht: 104,30 € incl. sehr gutem Frühstück.

Alle Schilder des heutigen Tages sind hier zu sehen.

 

 

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